Archives: March 17th, 2008

china

Monday, March 17th, 2008

Nachdem ich auf der Heimreise in der Hong Konger Ubahn durch die Bilder aus tibet ziemlich irritiert war, hab ich dann wieder zu Hause mit Überraschung feststellen müssen was sache ist. Und irgendwie hab ich das Gefühl zumindest ein , zwei zeilen meinen senf dazugeben zu müssen.

erstmal macht mich die internationale Heuchlerei schon wieder wahnsinnig. Da werden auf höchster nationaler Ebene Aussaugen geäussert a la: “och China, Gewalt ist doof….lass das doch….probleme kann man doch auch friedlich lösen” Dabei war ja lange genug zeit mal was für tibet zu tun, vor allem zu Zeiten wo noch wirklich was zu retten war. Aber es ist wie immer, Tibet, ein Land, das nie wirklich was mit Wachstums oder Expansionsansprüchen im Sinn hatte ist wirtschaftlich nicht interessant und damit auch ansonsten für die Regierungen anderer Länder bedeutungslos.

Ganz anders sieht es dabei mit China aus …. und vor allem, wer ist hier von wem abhängig, China vom Westen? ja wohl eher umgekehrt.

Die ganze Geschichte mit Tibet ist irgendwie so genau das gleiche, was die westlichen ach so “zivilisierten” Länder zu Zeiten der Kolonialisierung durchgezogen haben. Die “weiterentwickelten” Länder hatten immer Tendenz dazu, die weniger entwickelten zu versklaven, auszubeuten, auszurotten. Und auch wenn das heutzutage auf dem papier besser aussieht, hat sich da nach wie vor nicht so viel getan. Sprich faktisch hat kaum eines der wirtschaftlich starken europäischen Länder, eine glaubwürdige Möglichkeit mit dem Finger auf China zu zeigen. China ist in seiner Entwicklung halt bloss ein bisschen her und deswegen erst jetzt im zeitalter der kolonialisierung anderer Länder angekommen ….. quasi
Ich will die chinesische Regierung bestimmt nicht rechtfertigen. Das Unrecht macht mich zutiefst traurig, genauso wie die Dinge die damals auf den Osterinseln, in Afrika oder in China vor sich gegangen sind.

Ich denke bloss es wäre jetzt einfach mal an der zeit für den “zivilisierten” Westen, im Hinblick auf die eigenen Verbrechen wirklich Einsicht zu zeigen und etwas für Tibet zu tun und auch für China. Und vor allem etwas für die Glaubwürdigkeit der abgegebenen Statments.

Der aktuelle konflikt, hat mir hier in Hong Kong deutlich gezeigt, wie gut die Informationskontrolle in China wirklich funktioniert. Viele Chinesen (in mainland) wissen es nämlich wirklich nicht besser. Was auf den ersten Blick für jemanden mit Zugang zum internationalen Informationssystem nahezu naiv erscheint. Dass China nunmal für Zensur berühmt ist, ist in China bei weiten nicht so klar.

Ich hab hier schon Fragen von aus mainland nach Hong kong immigrierten chinesen gehört, wie: “In Deutschland werden die Nachrichten NIE zensiert?!” Zudem kommt blankes Staunen, über den extremen clash der Nachrichteninformationen in Hong Kong verglichen mit China. “Ich hätte nie gedacht, dass der Unterschied so krass ist”

Und das wird zu gerne vergessen, wenn in westlichen Reportagen Studenten in China auf bestimmte Themen angesprochen werden. Ich hatte mich ja auch oft gefragt, ob die’s wirklich nicht besser wissen. Aber häufig ist das so. Und diejenigen, die’s besser wissen fühlen sich machtlos, weil die Führungsriege in China zu stark ist. Es hat durchaus sehr hohe politiker gegeben, die sich zu Zeiten des Massakers auf dem Platz des himmlischen Friedens für die Studenten eingesetzt haben. Aber wenn selbst die kleinste Zuneigung und sei es nur einem verhafteten Studenten etwas zu Essen zu geben, bereits in die eigene Existenzlosigkeit führt. Dann ist es schwer dagegen anzukommen. Egal ob man sich für das eine oder das andere entscheidet, es hat einfach keine Bedeutung mehr.

Tja so ist das nunmal in einer Diktatur…. warum versucht der Westen nochmal keine Geschäfte mit diktatorischen Ländern in Afrika zu machen?

Klar fänd ich’s super China zu boykottieren, aber das ist ein ziemlich albernes Unterfangen. Das wär wie wenn nen Taxifahrer sich entschliesst, die Autonindustrie zu boykottieren. Aber was die Olympiade angeht - klar warum denn bitteschön nicht. Eigentlich hat es seit sich China für die Olympiade beworben hat, schon genug Gründe gegeben die olympiade in China zu boykottieren. Kultur und Existenzen in China wurden tausendfach vernichtet, unter der Obhut eines internationalen Verbandes, gesponsert von internationalen unternehmen. Was die Olympiade angeht, könnte man also gleich ein ganzes Verbrechernetzwerk, eingeschlossen dem IOC abstrafen …. aber ich glaub wirklich nicht dass die internationale Gemeinschaft wirklich den Mumm dazu hat.

Wie auch immer, am Ende des Tages sind es halt diese menschenrechtsverachtenden Chinesen, die immer so böse Dinge tun, aber wie wärs denn dann zuerst einmal mit Aufklärung? Wer will mir denn zu Zeiten des Internets erzählen, dass dies nicht möglich wäre?! Für die so empörten westlichen Länder wäre es doch das kleinste problem Systeme zu entwickeln die, die chinesichen informationskontrollen untergraben. stattdessen werden seitens Suchmaschinenanbietern fröhlich Kooperationen mit dem diktatorischen Regime in China eingegangen. Und niemand würde deswegen eine Suchmaschine boykottieren …. genau aus dem gleichen Grund aus dem man auch China nicht boykottieren kann/will. Und auch die great chinese firewall ist keine chinesische sondern eine westliche Erfindung, zumindest was die technische Implementation betrifft.

Wenn also endlich mal investiert werden würde, die chinesische Bevölkerung mit Informationen zu versorgen, dann hätten die auch ne Chance sich für etwas einzusetzen und sich zu solidarisieren. warum statt Bomben auf arabische Länder nicht mal Nachrichten auf China abwerfen?
Utopien für eine Utopie ….
Tibet - Rest in Peace